Zurück
Tagesausflug oder Reise in die Vergangenheit?
 
von Fabian Royer(9L1); Bilder von Eva-Marie Kolb (9L1);


Der Bus hält an. Die Schülerinnen und Schüler steigen aus und stehen auf einem großen Schotterparkplatz. Gegenüber einer kleinen Straße steht ein großes altes Gebäude mit einem Torbogen in der Mitte.

Die Jugendlichen der neunten Jahrgangsstufe haben sich im Rahmen des Geschichtsunterrichts aufgemacht, um einen der grausamsten und bezeichnendsten Orte des 3.Reichs zu besuchen. Nachdem sie um acht Uhr am HCA-Gymnasium in den Bus gestiegen sind, stehen sie jetzt vor dem ehemaligen Konzentrationslager in Flossenbürg.
Nach einer kurzen Begrüßung der Schülerinnen und Schüler durch das Personal der Gedenkstätte, werden sie in Gruppen eingeteilt, welche jeweils von einem der Mitarbeiter über das Gelände geführt werden sollen.
Zuerst wird den Besuchern der Sinn des Lagers in Flossenbürg erläutert. Der Granit, welcher aus dem nahegelegenen Steinbruch von den Häftlingen abgebaut wurde, diente als Grundstoff für viele Bauwerke der Nazis. Außerdem spielte die abgelegene Lage Flossenbürgs eine wichtige Rolle, um das Lager geheim zu halten.

Schließlich setzt sich die Gruppe in Bewegung und betritt durch den Torbogen des Verwaltungsgebäudes das eigentliche Gebiet des Konzentrationslagers. Obwohl die Sonne scheint, weht ein eisiger Wind und schon bald wird jedem der Schülerinnen und Schüler klar, was es heißt als Gefangener Wind und Wetter ausgesetzt zu sein, nur bekleidet mit dünnen Stofffetzen und einfachen Holzschuhen.
Nach dem Überqueren des sogenannten Appellplatzes, auf dem die Häftlinge qualvolle Zählungen durch die SS-Offiziere ertragen mussten, betreten die Besucher ein längliches Gebäude. Dies war die Wäscherei, in der die Gefangenen gewaschen und ihnen sämtliche Haare entfernt wurden. Dies wurde einerseits aus hygienischen Gründen gemacht, andererseits auch, um das Selbstwertgefühl der Häftlinge zu zerstören. Auch diese Prozeduren verliefen keineswegs ohne Qualen für die Betroffenen. In den gut erhaltenen Innenräumen sind die Schülerinnen und Schüler froh, sich etwas aufwärmen zu können.
Auch die von den Erklärungen des Gedenkstättenmitarbeiters umrahmte Ausstellung zieht die Besucher in den Bann.

Nach dem Verlassen des Gebäudes, werden die noch verbliebenen Fundamente der ehemaligen Häftlingsbaracken besichtigt. Hier waren gegen Ende des Kriegs fast 1000 Gefangene in einer Baracke zusammengepfercht. Allerdings waren die Hütten nur für jeweils knapp 250 Menschen ausgelegt.
Als nächstes wird das Gelände um den fast vollständig zerfallenen Arrestbau aufgesucht. Hier, vor einer Mauer mit Gedenktafel, wurde ein Teil der Mitverschwörer des Stauffenberg-Attentats, sowie der NS-Gegner, Pfarrer Bonhoeffer, hingerichtet. Der Arrestbau an sich war aufgebaut wie ein Gefängnis, mit mehreren kleinen Zellen. Hier wurden sowohl kleinere Verbrecher, als auch prominente Kriegsgefangene zu eventuellen Verhandlungszwecken gefangen gehalten.
Nachdem sie den Arrestbau verlassen hat, macht sich die Gruppe auf den Weg zum Krematorium. Vorher jedoch werden den Schülern zuerst das Krankenrevier und dann der Quarantänebereich mit den Sterbebaracken gezeigt. Dort wurden die arbeitsunfähigen Häftlinge abgeschoben, Neuankömmlinge untergebracht und die russischen Gefangenen vom Rest des Lagers isoliert. Bevor man das Krematorium erreicht, muss man an einem der drei verbliebenen Wachtürme vorbei. Schließlich dann steht man vor einem kleinen unscheinbaren Haus, welches außerhalb des Lagerbereichs in einer kleinen bewaldeten Senke liegt, dem Krematorium. Auch dessen Innenräume sind noch, wie die der Wäscherei,original erhalten. In der Mitte eines der drei Räume entdecken die Schülerinnen und Schüler einen steinernen Tisch, den Seziertisch. Hier, so wird den Jugendlichen erklärt, wurden den toten Häftlingen die Goldzähne ausgebrochen um eingeschmolzen und weitergenutzt werden zu können. Spätestens jetzt wird allen Schülerinnen und Schülern die Perversion dieses Systems zur Vernichtung von Menschen bewusst.
Gleich neben dem Krematorium befindet sich die älteste Gedenkstätte seit der Befreiung des Lagers durch die Amerikaner 1945. Neben Mahnmalen in verschiedenen Sprachen steht dort auch eine Pyramide, errichtet aus den Überresten der verbrannten Toten. Die Asche, welche durch das Krematorium und später sogar durch die Verbrennung der Leichen unter freiem Himmel entstand, wurde kurzerhand im Wald entsorgt. Nach Kriegsende wurde sie wieder aus dem Wald geholt und hier aufgeschichtet.
Die Gruppe verlässt das Tal wieder und steigt über mehrere Treppen zu einer Kapelle hinauf, die aus den Steinen der bereits abgerissenen Wachtürme errichtet wurde. Gleich daneben befindet sich ein jüdischer Gebetsraum.
Nun geht es wieder über den Appellplatz zurück vor das Verwaltungsgebäude, wo der Gedenkstättenmitarbeiter seinen Besuchern eine kleine Pause gönnt, bevor es in Richtung Steinbruch geht.
Der Steinbruch, in dem die meisten Häftlinge umkamen, ersetzte die fehlende Gaskammer in Flossenbürg. Vor dem Steinbruch sind noch mehrere Gebäude erhalten, eines davon das Verwaltungsgebäude der Deutschen Erd- und Steinwerke, welche das Gelände zu Zeiten des Konzentrationslagers verwalteten. Die Jugendlichen folgen weiter einem Weg an halb zerfallenen Häusern vorbei, der sie schließlich zu einem Aussichtspunkt oberhalb des Steinbruchs führt. Noch immer wird hier Granit abgebaut, wo früher tausende Menschen ihren Tod fanden. Nach einiger Zeit verlassen die Schülerinnen und Schüler nachdenklich den Rand des Steinbruchs, nachdem ihnen der Mitarbeiter der Gedenkstätte die grausame Arbeit der Häftlinge vor Augen geführt hat. Dann kehren sie zurück vor das ehemalige Konzentrationslager.

In der verbliebenen Stunde dürfen sich die Jugendlichen noch frei in der Gedenkstätte bewegen, bevor es dann wieder in den Bus und zurück nach Sulzbach geht; mit vielen neuen Eindrücken, die es zu verarbeiten gilt.
F. Royer, E. Kolb
CMS-Version 3.4.4 - Webdesign-Gruppe des HCA und Herr Schraml
Valid HTML 4.01 Transitional   CSS ist valide!