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Besuch im Bestattungsinstitut
 
Die Bestattungsmeisterin Daniela Schleef klärte in der Pathologie über das Präparieren der Verstorbenen auf.
Wie schön das Leben ist, begriffen manche Schüler besonders nach ihrem Besuch im Bestattungsinstitut Haimerl-Rösl in Süß, der viele interessante Aspekte eröffnete.

Süß / Sulzbach-Rosenberg. (mma) „Sterben, Tod und Trauer gehören zu dieser Welt“ wissen die Schüler des HCA- Gymnasium nicht nur aus dem Religionsunterricht. Doch war es trotzdem nicht einfach für manche mit ihren Lehrkräften ein Beerdigungsinstitut zu besuchen und „hautnah“ mit dieser Seite des Lebens konfrontiert zu werden.

In Süß begrüßten Hans Rösl, Inhaber des Instituts Haimerl-Rösl, der Geschäftsführer Alexander Rösl, die Beerdigungsmeisterin Daniela Schleef, die Mitarbeiterin Elfriede Saber, Pfarrer Johannes Kiefmann, Diakon Richard Sellmayer und Gerhard Büttner vom Krematorium Hohenburg die 10. Klassen mit ihren Religionslehrern vor der großen Trauerhalle.
Mit Hilfe eines Films und in Kurzvorträgen erfuhren die Schüler in der großen Trauerhalle Wichtiges zum Abschiednehmen in privatem und öffentlichem Rahmen und über hilfreiche Rituale.
Gerhard Büttner vom Krematorium Hohenburg hatte aufmerksame Zuhörer bei seinen Ausführungen.
Pfarrer Kiefmann klärte über das Sakrament der Krankensalbung auf, welches nur Lebenden gespendet werde und das Vielen „ein Weggehen erleichtere“. Der christliche Glaube an eine Auferstehung könne zudem „weitertragen“. Angesprochen auf „Sterbehilfe“ betonte er den Wert der Hospize und Palliativstationen.
Diakon Sellmayer berichtete von seiner Aufgabe als Notfallseelsorger und der enorm wichtigen Betreuung der Hinterbliebenen und Betroffenen, welche nicht selten durch einen plötzlichen Todesfall „die gesamte Übersicht verlieren“ würden.

Auch das Sarglager durften die Gymnasiasten inspizieren und diese staunten gehörig über die große Bandbreite vom Metallsarg für Mausoleen und Gruften über schwere Eichensärge bis hin zum einfachen Sarg für das Krematorium. Auch das Innenleben der letzten Ruhestätten wurde gezeigt und auch auf Details eingegangen, wie zum Beispiel, dass keine Lederschuhe oder –jacken bei Erdbestattungen wegen der zu langen Verweildauer erlaubt seien.

Ganz still wurden die Schüler in der Pathologie, wo auf einem Steintisch die Toten gereinigt, zurechtgemacht und angekleidet werden. Auch finde hier die Leichenschau statt, erfuhren sie, wie auch das Einbalsamieren für Amerikaner durch den Austausch der Körperflüssigkeiten aus Hygienegründen.

Im großen Werkraum war eine umfangreiche Urnenausstellung vorbereitet. Daniela Schleef antwortet auch dort auf viele Fragen der Schüler umfassend und geduldig. Plakate und Schautafeln zeigten darüber hinaus anschaulich Prozedere und Möglichkeiten vom Abschied im Krematorium bis hin zur Seebestattung oder in einem Friedwald.

Ein großer einfacher unbehandelter Holzsarg zog die Blicke und das Interesse der Jugendlichen auf sich. Hans Rösl erklärte dazu, dass dieser für Juden gebraucht werde und er informierte auch über manch Interessantes der mosaischen Beerdigungsriten. So würden nur jüdische Frauen eine Tote und nur jüdische Männer einen toten Mitbruder waschen. Auch werde an der Friedhofpforte der Sarg den Mitjuden übergeben und ein Rabbiner leite von da an die Beerdigung.

Beklemmend wirkten auf alle die ausgestellten kleinen Kindersärge. Diese könnten sehr individuell gestaltet werden, führten die Fachleute aus; gaben aber auch zu, dass ein Kindstod auch sie nicht ungerührt lassen würde. „Wir müssen uns hier aber ganz weit zurücknehmen“, erklärte Daniela Schleef, „denn wir müssen ja für die trauernden Eltern da sein und ihnen Hilfe und Halt in diesen schweren Stunden geben.“.

Gerhard Büttner vom Krematorium Hohenburg erklärte den Gymnasiasten das Prozedere der Einäscherung und klärte auch über manche Vorurteile und Märchen auf. So sei es zum Beispiel schlichtweg falsch, zu glauben, dass bei einer Verbrennung der Tote sich im Sarg aufrichten würde. Dies könne weder jemand sehen, noch sei es „rein technisch und platzmäßig“ überhaupt möglich. Er hatte auch Edelsteine mitgebracht, welche man zur Erinnerung an den Verstorbenen aus dessen Haaren oder einem Teil seiner Asche herstellen könne.

Normalerweise müsse in Deutschland eine Beerdigung nach 96 Stunden stattfinden, erfuhr man weiter und es herrsche sogar Beisetzungs-, bzw. Friedhofszwang. Für diese Grabarbeit sei normalerweise ein kleiner Bagger in Betrieb, informierte Hans Rösl und lud dazu ein, diesen unter Anleitung sogar auszuprobieren, was auch gerne angenommen wurde.

Die Gymnasiasten äußersten sich ausnahmslos positiv über den Nachmittag und bedankten sich sehr. „Wir haben nicht nur viel Neues gehört und gesehen“, erklärten sie, „sondern auch ein wenig mehr begriffen wie wertvoll Leben eigentlich ist, vielleicht gerade weil der Tod dazugehört.“.
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