Zurück
Landesausstellung Kaiser Karl IV. – Das Herzog-Christian-August-Gymnasium macht mit!
 

Bayerische und böhmische Jugendliche erstellen Schüler-Audioguides mit viel Geschichte und Esprit
Ganz am Anfang stand ein Info-Blatt des Hauses der Bayerischen Geschichte, das Ludwig Nerb auf den Tisch flatterte: Darin warb das Haus der Bayerischen Geschichte für Schülerprojekte für die erste bayerisch-böhmische Landesausstellung. Nach einiger Zeit war für den Geschichtslehrer und Betreuer eines Schüleraustausches mit Tschechien klar, dass er mitmachen wollte. „Es war genau das, was ich machen wollte. Was ganz Anderes und Neues, etwas, was Schülern den Umgang mit Geschichte von einer anderen Seite zeigt und sie zugleich begeistern kann“. Allerdings lag noch insgesamt ein Jahr Vorbereitungszeit dazwischen, angefüllt mit vielen Telefonaten und Gesprächen mit Experten, Kollegen und Schülern. „Zunächst galt es, meinen Schulleiter, Herrn Dieter Meyer für die Sache zu gewinnen, das war noch relativ einfach, schwieriger wurde es, unsere tschechische Partnerschule in Rumburk zu begeistern, dafür waren die Schüler auf beiden Seiten sofort Feuer und Flamme.
Insgesamt waren es sieben tschechische und acht deutsche Jugendliche im Alter von etwa 16 Jahren, die letztlich an die Aufgabe herangingen. „Wir hatten ja zunächst auch keine genaue Ahnung, was wir machen sollten, aber es schien etwas Besonderes zu werden, was wir hier machen sollten.“ So erinnert sich eine deutsche Teilnehmerin. „Die Tatsache, dass sich die Jugendlichen schon von zwei Wochen Schüleraustausch intensiv kannten, war für das Projekt sehr von Vorteil. Natürlich kannten sich auch die Lehrkräfte. Die waren alle aufeinander eingespielt“ So urteilt Elke Dillmann, die zuständige Medienpädagogin vom Bayerischen Rundfunk.
Endlich wurde auch bekannt, welche Objekte zu bearbeiten waren: Ein englischer Langbogen, ein jüdischer Grabstein, ein goldener Türzieher mit den Kurfürsten darauf, ein Votivbild und eine Statue Karl IV. „Unsere Gesichter wurden zunächst wohl immer länger, weil wir nicht recht wussten, was wir nun damit anfangen sollten. Reine Vermittlung von Fakten konnte es wohl nicht sein. Auch unser Lehrer entwarf ständig neue Konzepte und verwarf sie wieder.“ So erinnert sich Thomas, der einzige deutsche Junge. Doch das Haus der Bayerischen Geschichte schickte Hilfe: Dr. René Küpper, Bohemist, kam an die beiden Schulen und vermittelte viele Daten und gab Tipps, wie sich die ausge-wählten Objekte arrangieren ließen und wie sie in Prag und in Nürnberg aufgestellt werden.
Anfang März war es dann soweit: Für insgesamt fünf Tage ging es nach Nürnberg in die Jugend-herberge. In einem angemieteten Seminarraum wurden die deutschen und tschechischen Schülerinnen in die Kunst der Erstellung von Hörtexten eingewiesen. „Das war für uns etwas ganz Neues.“ So urteilten die Zwillingsschwestern Nikola und Veronika Gottlieberovà aus Rumburk, während ihre deutschen „twins“ Antonia und Julia zustimmend nickten.
Zwei Mediencoaches erarbeiteten mit den Schülerinnen die Texte, während Dr. René Küpper sich um die historische Genauigkeit kümmerte. Dazwischen besprachen die tschechische Lehrerin Dita Hlavacova und Ludwig Nerb immer wieder mögliche Situationen für die Einbettung der Objekte.
„Es war fast unglaublich, mit welcher Ausdauer sie an den Texten arbeiteten. In gemischten deutsch-tschechischen Gruppen, in Zweiergruppen oder auch mit einem der Betreuer erstellten sie ihre Texte. Man sah sie immer wieder vor dem Bildschirm der Laptops sitzen und schreiben.“ So erinnert sich Frau Hlavacova an diese Situation. Pünktlich zum Freitag waren die Texte fertig, und so konnte es am Wochenende in die Studios des BR gehen.
Während am Samstag die Gäste aus Tschechien schon vor den Mikros sitzen und ihre Texte einsprechen, erhalten die bayerischen Teilnehmer noch den letzten Schliff bei Aussprache und Betonung. „Mir war gar nicht klar, wie genau die Betreuerin unsere Texte versteht und uns immer wieder verbessert, so lange bis es passt.“ So meint Ines, als sie ihren Text nach mehrmaligen Vorlesen zur Zufriedenheit von Frau Dillmann vorgetragen hat und sich wieder etwas salopper ausdrücken kann. Doch wie haben die bayerischen Teilnehmerinnen die schwierige Aufgabe nun gelöst? Nur so viel sei verraten: Moderatorin Julia sitzt in einem Studio und erhält von ihren Lokalreportern Beiträge zu bestimmten Situationen eingespielt. Zum Beispiel berichtet Annika von der Eröffnung der Universität in Prag und schafft es, dabei die böhmische Königin Margarete von Valois an das Mikrofon zu holen. Letztere wird übrigens von Sina mit einem bezaubernden französischen Zungenschlag gesprochen.

Im nächsten Beitrag schleichen sich Kirsten und Elisabeth von Pommern heimlich durch die Festung Karlstein und staunen über die vielen Reliquien. Antonia berichtet weiter über den hinterlegten Handschuh des Kaisers. So haben alle Teilnehmerinnen in verschiedenen Sprecherrollen ihre Auftritte. Und was macht Thomas, unser einziger Junge? Er griff zu seiner Gitarre und vertonte einen Jingle für „Radio History“, der begleitet von wechselnden Slogans am Beginn eines Beitrags steht. Doch eine Situation erfordert zwei männliche Sprecher, so dass auch OStR Nerb vor das Mikrophon treten muss. Welche Situation das ist, wird hier nicht verraten. Zu hören sind die Audioguides in der Reithalle des Wallenstein-Palais in Prag in der Zeit vom 14. Mai bis 25.September 2016 und im Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg vom 20. Oktober 2016 bis zum 05. März 2017. Fest steht schon jetzt, dass es allen Beteiligten nicht nur enormen Spaß gemacht hat, die Geschichten um Kaiser Karl IV. salopp zu vertonen, sondern auch Einblick in ein Berufsfeld gegeben hat, das man sonst nicht so leicht und intensiv erleben kann.

(Herr Nerb)
CMS-Version 3.4.4 - Webdesign-Gruppe des HCA und Herr Schraml
Valid HTML 4.01 Transitional   CSS ist valide!